Altersvorosrge So retten wir die Rente

Steht die gesetzliche Rentenversicherung kurz vor dem Kollaps? Diese Behauptung hört man ständig. Gefolgt von der Forderung nach Rentenkürzungen und höherem Rentenalter. Wir zeigen, wie es um die Rente wirklich steht – und wie wir sie zukunftsfest machen können.

IG Metall-Aktion vor dem Tagungsort einer Anhörung der Rentenkommission der Bundesregierung.

12. Januar 2026 12. Januar 2026


Nennen wir sie Petra. Petra lebt in der Zukunft, im Jahr 2034. Es ist das Jahr ihres Rentenbeginns. Hinter ihr liegt ein Leben voller Arbeit: 45 Jahre, in denen sie immer durchschnittlich verdient und Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt hat.

Und nun?

Ändert sich nichts an der Rechtslage könnte Petra nach aktuellen Schätzungen eine Rente erhalten, die bei 45 Prozent des Durchschnittslohns liegt. In heutigen Werten läge ihre Rente 2040 dann nochmal deutlich unterhalb der derzeitigen Standardrente von 1769 Euro. Davon gehen noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Überschaubare Rente – trotz eines überdurchschnittlich langen Erwerbslebens?

Für die IG Metall ist die Demontage der gesetzlichen Rente ein Skandal. Wir fordern einen grundlegenden Kurswechsel in der Rentenpolitik. Wir wollen die Alterssicherung solidarisch neu aufbauen. Das Ziel: eine auskömmliche Rente für alle.

Die IG Metall hat dazu ein detailliertes Konzept vorgelegt.

Das sind die Eckpunkte:


1. Gesetzliche Rente stärken

Die gesetzliche Rente soll den Ruhestand finanziell absichern. Doch seit den 2000er Jahren ist das Rentenniveau erheblich gesunken. Wir wollen diesen Trend stoppen. Das Rentenniveau muss stabilisiert und wieder angehoben werden, um sozialen Abstieg im Alter zu verhindern.

Die Bundesregierung will das Rentenniveau zumindest bis 2031 bei 48 Prozent sichern. Ziel der IG Metall ist eine dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus – und eine schreittweise Anhebung auf 53 Prozent, so wie es jahrzehntelang der Fall war.

Außerdem wollen wir die Renten wieder an die allgemeine Einkommensentwicklung koppeln. Die sogenannte Rentenanpassungsformel verhindert das derzeit. Für Rentnerinnen und Rentner bedeutet das einen schleichenden Kaufkraftverlust.

Menschen, die lange im Niedriglohnsektor beschäftigt waren oder Lücken im Erwerbsleben haben, brauchen besondere Unterstützung. Für sie muss es bei der Berechnung der Grundsicherung Freibeträge für die gesetzliche Rente geben, damit ihre kleine Rente nicht komplett mit der Grundsicherung verrechnet wird. Zeiten von Pflege, Kindererziehung oder Langzeitarbeitslosigkeit sollten bei der Rentenberechnung besser anerkannt werden.

Das Rentenkonzept der IG Metall

Neuaufbau einer solidarischen Alterssicherung. Das sind die Vorschläge der IG Metall.

IG Metall-Aktion vor dem Tagungsort einer Anhörung der Rentenkommission der Bundesregierung.

2. Solidarisch finanzieren

Derzeit wird die gesetzliche Rente vor allem von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern getragen. Viele Besserverdiener – Ärztinnen, Anwälte, Architektinnen, Politiker – bleiben außen vor. Ebenso wie Beamte. Sie alle haben eigene Einrichtungen für die Altersvorsorge oder sie erhalten eine Pension.

Die IG Metall sagt: Künftig sollen alle Erwerbstätigen in die Rentenversicherung einzahlen. Das würde die Rentenversicherung langfristig stärken und die Finanzierung auf eine solidarische Basis stellen.

Die Erwerbstätigenversicherung soll nur für die Menschen gelten, die neu in den Beruf eintreten. Dadurch entsteht ein finanzieller Puffer für die Zeit, in der die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ in Rente sind.
3. Flexible Übergänge schaffen

Schon das aktuelle Renteneintrittsalter von 67 Jahren ist für die Mehrheit der Beschäftigten nicht erreichbar: 53 Prozent gehen davon aus, dass sie unter ihren aktuellen Arbeitsbedingungen nicht bis zur Regelalterssgrenze arbeiten können und es vorzeitige Ausstiegoptionen geben muss. Doch ein früherer Renteneintritt bedeutet: Hohe Abschläge bei der Rente.

Die IG Metall fordert eine erreichbare Altersgrenze und flexible, sozial abgesicherte Übergänge in den Ruhestand. Die „Rente ab 63“ war ein Schritt in diese Richtung. Allerdings gilt sie nur für wenige Jahrgänge.

Mit dem „Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente“ (TV FlexÜ) hat die IG Metall bereits für viele Beschäftigten einen Anspruch auf Altersteilzeit durchgesetzt.
 

3. Flexible Übergänge schaffen

Schon das aktuelle Renteneintrittsalter von 67 Jahren ist für die Mehrheit der Beschäftigten nicht erreichbar: 53 Prozent gehen davon aus, dass sie unter ihren aktuellen Arbeitsbedingungen nicht bis zur Regelalterssgrenze arbeiten können und es vorzeitige Ausstiegoptionen geben muss. Doch ein früherer Renteneintritt bedeutet: Hohe Abschläge bei der Rente.

Die IG Metall fordert eine erreichbare Altersgrenze und flexible, sozial abgesicherte Übergänge in den Ruhestand. Die „Rente ab 63“ war ein Schritt in diese Richtung. Allerdings gilt sie nur für wenige Jahrgänge.

Mit dem „Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente“ (TV FlexÜ) hat die IG Metall bereits für viele Beschäftigten einen Anspruch auf Altersteilzeit durchgesetzt.


4. Zusatzvorsorge für alle

Betriebsrenten sind eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Die IG Metall setzt sich ein für eine flächendeckende Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) – finanziert vom Arbeitgeber. Betriebsräte sollen bei der Altersversorgung stärker mitreden dürfen.

Neben der bAV braucht es weitere Möglichkeiten für die Altersversorgung – und zwar innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, ohne teure Privatvorsorge. Die Idee der IG Metall heißt „Soli-Rente Plus“. Der Grundgedanke: Beschäftigte erhöhen ihre Rentenansprüche indem sie zusätzlich Geld in die Rentenversicherung einzahlen können.

Im Video: Warum wir zur Aktien-Rente "Nein" sagen

5. Steuerzuschuss und Beiträge

Für eine gute Rente brauchen wir auch moderat höhere Rentenbeiträge und Steuerzuschüsse. Beides ist nicht nur gut angelegt, sondern auch gerecht. Denn bei den Rentenbeiträgen zahlen die Arbeitgeber mit. Die private Vorsorge tragen die Beschäftigten alleine.

Die Steuerzuschüsse dienen vor allem zur Finanzierung von Aufgaben, die die Rentenversicherung übernimmt, obwohl dafür keine Beiträge geflossen sind. Beispiel: Die sogenannte Mütterrente.


Viele Generationen, ein Anliegen

In der öffentlichen Debatte wird die Rentenfrage oft als „Kampf der Generationen“ inszeniert. Das nützt nur denjenigen, die die gesetzliche Rente kaputt kürzen wollen.

Tatsächlich haben alle Generationen ein Interesse an einem zukunftsfesten Rentensystem – gerade auch die Jüngeren. Ihr Berufsleben ist oft unbeständiger als das älterer Generationen. Dadurch haben sie es schwerer, ausreichend Rentenansprüche aufzubauen.

Die IG Metall wirbt für den Dialog der Generationen und für eine solidarische Rentenpolitik. Ziel ist ein gerechter Ausgleich.

Und was bedeutet es nun für unsere zukünftige Rentnerin Petra, wenn die Forderungen der IG Metall umgesetzt werden? Sie könnte, wenn sie 2034 in Rente geht, mit deutlich mehr Geld rechnen: Statt eines schleichenden Kaufkraftverlustes hätte sie (in heutigen Werten) sogar eine höhere Rente – mindestens 100 Euro mehr im Monat.


++ Hintergrund ++ Was man zur Rente sonst noch wissen sollte:


Was ist eigentlich eine Erwerbstätigenversicherung?

Die Erwerbstätigenversicherung ist ein Konzept für die Altersvorsorge. Der Grundgedanke: Alle Menschen, die arbeiten und Einkommen erzielen, zahlen gemeinsam in die gesetzliche Rentenversicherung ein.

Das würde die Rentenversicherung langfristig stärken und die Finanzierung auf eine solidarische Basis stellen.

Bisher haben bestimmte Berufsgruppen eigene Versorgungssysteme – etwa Ärztinnen, Anwälte, Selbstständige, Abgeordnete oder Beamte. Die Erwerbstätigenversicherung würde alle Erwerbstätigen unter einem Dach vereinen.

Mehr Infos hier.

Warum die Rentenkasse eigentlich viel voller ist

Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass die Beitragszahler – die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – Aufgaben der Allgemeinheit finanzieren. Aufgaben, die eigentlich auf alle Steuerzahler verteilt werden sollten. Auch auf diejenigen, die nicht in die Rente einzahlen, weil sie zum Beispiel Beamte sind oder Selbstständige.

Bei einer gerechten Finanzierung der Aufgaben wäre die Rentenkasse viel voller. Darum sollte sich die Debatte drehen. Und nicht um unseriöse Zahlenspielerei, die nur dem Schlechtreden der gesetzlichen Rente dient.

Mehr Infos hier.

Was das Rentenpaket für Beschäftigte bedeutet

Für Beschäftigte bringt das Rentenpaket ein Stück Verlässlichkeit. Denn es enthält eine zentrale Verbesserung: Das Rentenniveau bleibt bis mindestens 2031 stabil. Ohne das neue Gesetz wäre das Rentenniveau über die nächsten Jahre gesunken.

Das hätte bedeutet: Die Entwicklung der Renten wäre hinter die der Löhne zurückgefallen. Rentnerinnen und Rentner wären von der allgemeinen Wohlstandsentwicklung weiter abgekoppelt worden. Weiterer Kaufkraftverlust hätte gedroht. Das wird nun verhindert.

Mehr Infos hier.