Mythen über den Sozialstaat
Für Dich gibt’s keine Rente mehr – oder???

Steht die gesetzliche Rentenversicherung kurz vor dem Kollaps? Diese Behauptung hört man ständig. Gefolgt von der Forderung nach Rentenkürzungen und höherem Rentenalter. Wir zeigen, wie es um die Rente wirklich steht – und wie wir sie zukunftsfest machen können.

25. März 202525. 3. 2025


Totgeweiht – seit vierzig Jahren?
 

Die Rente wird seit Jahrzehnten totgesagt - zu unrecht.

Manche Geschichten werden einfach nicht besser, egal wie oft man sie erzählt. Bei der Rente gibt es so eine Geschichte. Sie geht ungefähr so: Die gesetzliche Rente ist ein Fass ohne Boden, sie ist auf Dauer unbezahlbar und deshalb sind radikale Kürzungen – leider, leider! – unvermeidbar.

Diese Geschichte erzählen Lobbyisten und wirtschaftsliberale Politiker seit Jahrzehnten. Auch in vielen Medien ist die Erzählung ein Dauerbrenner.

Beispiel gefällig? Bereits im Jahr 1985 stand auf dem Titel des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ die Schlagzeile: „Renten in Gefahr“. Das Titelbild zeigte einen gebeugten jungen Mann, der unter der „zu großen Last“ der vielen Rentnerinnen und Rentner fast zusammenbricht.


Solider Dauerläufer

Trotz ständiger Kritik: Die gesetzliche Rente hat Generationen im Alter versorgt

Was ist seit dem dramatischen Spiegel-Titel passiert? Ist die gesetzliche Rentenversicherung zusammengebrochen? Sind die Erwerbstätigen vor lauter Beitragserhöhungen verarmt? Oder die Ruheständler alle in der Grundsicherung gelandet?

Nichts davon ist eingetreten. Im Gegenteil: Die Rente hat seitdem ganze Generationen zuverlässig abgesichert – auch während aller Krisen. Und da zu überschaubaren Kosten. Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente liegt aktuell sogar etwas niedriger als Mitte der 1980er Jahre.

Auch die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt haben sich moderat entwickelt. Der Anteil des Bundeszuschusses an den Gesamtausgaben der Rentenversicherung ist seit Jahrzehnten weitgehend konstant – und geringer als bei Einführung des Umlagesystems Ende der 1950er Jahre.

Auch im Vergleich zur Wirtschaftsleistung (BIP) entwickeln sich die Bundeszuschüsse unauffällig – selbst wenn man davon ausgeht, dass das Rentenniveau entsprechend dem nicht umgesetzen „Rentenpaket 2“ stabilisiert wird.


Ordentliche Rendite

Die gesetzliche Rente bietet eine solide Rendite

Auch das Geld, das am Ende bei der Rente herauskommt, kann sich grundsätzlich sehen lassen. Berechnungen zeigen: Die gesetzliche Rente hat eine hohe Rendite, von der auch Jüngere profitieren werden.

Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat die Erträge der Rentenversicherung untersucht, für alle Jahrgänge zwischen den 1940ern und 2010. Ergebnis: Die Mitgliedschaft in der umlagefinanzierten Rentenversicherung lohnt sich. Sie wirft für alle betrachteten Jahrgänge ordentliche Renditen ab, die spürbar über der erwarteten Inflation liegen. Wichtig: Das gilt ausdrücklich auch für die Jungen.

Eine Stabilisierung des Rentenniveaus, wie die IG Metall sie fordert, würde die Rendite weiter verbessern. Alle heute Erwerbstätigen, junge Menschen kurz vor Eintritt ins Berufsleben und ein großer Teil der heutigen Rentner: Sie alle würden im Verhältnis zu ihren Rentenbeiträgen überproportional mehr Rente erhalten. Die Böckler-Studie beziffert die Rendite auf 3,3 bis 4,1 Prozent – je nach Geburtsjahr und Geschlecht.


Katastrophenszenarien sind unangebracht

 

Rente: Katastrophen-Szenarien sind unangebracht

Wer behauptet, die Rentenversicherung stolpere mit mathematischer Gewissheit in den Abgrund, der schürt unangemessene Ängste.

Hinter solchen Aussagen stehen oft wirtschaftliche Interessen. Arbeitgeber wollen die gesetzliche Rente am liebsten kurz und klein kürzen und die Menschen damit zu privater Altersvorsorge zwingen. Der Grund: Die Privatvorsorge zahlen die Beschäftigten allein. Die gesetzliche Rente finanzieren die Arbeitgeber mit.


Solide in die Zukunft

Mit den richtigen Reformen machen wir die Rente zukunftssicher

Die umlagefinanzierte Rentenversicherung ist im Kern solide. Sie bietet eine verlässliche Absicherung fürs Alter. Damit sie das auch in Zukunft leisten kann, sind Reformen nötig. Aber nicht nach dem Motto „Kürzen und immer länger arbeiten“. Sondern solidarisch und mit einem Blick für die Bedürfnisse der Menschen.

Eine Reform ist überfällig: Der Umbau der Rentenversicherung zu einem echten Solidarsystem, in das alle Beschäftigten einzahlen. Auch Beamte, Freiberufler und Selbstständige, die neu in ihren Beruf starten. Das schafft mittelfristig einen Finanzpuffer für die Zeit, in der die Babyboomer im Ruhestand sind.

Moderate Beitragssteigerungen sollten ebenfalls kein Tabu sein. Auch für die junge Generation ist das deutlich günstiger und sicherer, als mit teuren Privatverträgen den politisch erzeugten Rentenlücken hinterher zu sparen.

Das komplette Rentenkonzept der IG Metall gibt es hier.

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