1. und 2. September 2023
Konferenz – Erinnerung an die spontanen Streiks bei Ford, Pierburg und Hella

Im August 2023 jähren sich zum fünfzigsten Mal die spontanen Streiks beim Autozulieferer Pierburg in Neuss und bei Ford in Köln. Was macht die Faszination dieser Streiks von 1973 aus, und wie sie sind heute aus geschichtswissenschaftlicher sowie aktivistischer Perspektive einzuschätzen?


Veranstaltungszeit

01.09.2023, 19:00 - 02.09.2023, 21:00

Veranstaltungsort

DGB-Haus Düsseldorf

Friedrich-Ebert-Straße 34-38

40210 Düsseldorf

Die Anmeldung erfolgt auf der Seite der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Im August 2023 jähren sich zum fünfzigsten Mal die spontanen Streiks beim Autozulieferer Pierburg in Neuss und bei Ford in Köln, die bereits damals eine recht große Aufmerksamkeit erfuhren, vor allem aber in den folgenden Jahrzehnten wegen des weit überproportionalen Anteils von Migrant:innen unter den Streikenden und ihres – vor allem bei Ford in Köln – „inoffiziellen“ Charakters für eine neuere politische und wissenschaftliche Debatte und einen (post-)migrantischen Aktivismus eine geradezu symbolische Bedeutung erlangten.

Die Erinnerung an die Streiks von 1973 war in den letzten Jahren vor allem davon geprägt, migrantischen Widerstand, migrantische (Arbeits-)Kämpfe und migrantische Akteur*innen in den Mittelpunkt sichtbar zu machen und zu würdigen. Auch lassen sich die Kämpfe von 1973 einem längeren zeitlichen Bogen von Arbeitsauseinandersetzungen zuordnen, der beispielsweise vom Spätsommer 1969 („Septemberstreiks“) bis 1974 (erfolgreicher ÖTV-Streik) datiert werden kann.

Die Streiks in dieser Phase der bundesrepublikanischen Geschichte lassen sich bei näherer Betrachtung nicht dichotomisch als „wilde“ Streiks gegen die DGB-Gewerkschaften und ihre „legalen“ Arbeitskämpfe beschreiben, sondern zeigen eher ein widersprüchliches Wechselspiel denn einen schroffen Gegensatz. Der vorwiegend von Frauen getragene Streik in Neuss, der sich gegen die faktisch ausschließlich Frauen diskriminierende Lohngruppe 2 richtete, war auch deshalb erfolgreich, weil sich die Mehrheit von Betriebsrat und lokaler IG Metall solidarisch verhielten. Für heutige linke Kämpfe könnte dies ein Hinweis sein, nicht zu sehr über Forderungen an Staat und die Gesetzgebung zu operieren, sondern stärker auf die Entwicklung und Durchsetzung aktiver solidarischer Praxen in der Arbeitswelt zu setzen.

Damit dies gelingen kann, sind Solidarisierungsbedingungen entscheidend, die verbindende Kämpfe erlauben. In Neuss gelang dies, in Köln nicht. Doch sollte auch dieser Unterschied von gelungener und gescheiterter Solidarisierung nicht zu einer weiteren Dichotomie ausgebaut werden; auch aus dem Scheitern können wertvolle Schlussfolgerungen gezogen werden.

Wir, das sind die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Otto-Brenner-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung, die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, die IG Metall (Vorstandsressort Migration und Teilhabe), die IG Metall Geschäftsstelle Düsseldorf-Neuss, das Institut für soziale Bewegungen in Bochum sowie die German Labour History Association, nehmen für unsere Tagung am 1. und 2. September in Düsseldorf den Jahrestag zum Anlass und fragen: Was macht die Faszination dieser Streiks von 1973 aus, und wie sie sind heute aus geschichtswissenschaftlicher sowie aktivistischer Perspektive einzuschätzen? Inwieweit lässt sich aktuell produktiv daran anknüpfen?

Den Auftakt zur Tagung bildet ein Kulturprogramm zum Thema am 1. September ab 17 Uhr im DGB-Haus Düsseldorf. An selber Stelle beginnt am Samstag um 10 Uhr die Tagung. Gewerkschafter*innen, Zeitzeug:innen, Wissenschaftler:innen und politisch Aktive aus unterschiedlichen Spektren kommen in verschiedenen Formaten ins Gespräch. Außerdem wird aus dem Kreise der Veranstalter:innen eine Publikation im Sommer erscheinen.
(Quelle: Rosa-Luxemburg-Stiftung)

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Erinnerung an die spontanen Streiks bei Ford, Pierburg und Hella, 01./2.09.2023, Einladung und Programm
07.08.2023